Selbstverständnis

Wir sind verschiedene Menschen aus linksradikalen Zusammenhängen. Für uns ergibt sich die Notwendigkeit nach linksradikaler Politik aus dem repressiven und propagandistischen Apparat der BRD. Gegen den hochgerüsteten Polizeimechanismus in Verbindung mit einer Justiz, die lediglich darauf ausgelegt ist andersdenkende und subversive Elemente zu kriminalisieren und den kapitalistischen Alltag weiter aufrecht zu erhalten, setzen wir auf eine radikale Veränderung des Systems von innen heraus. Dabei bieten linksradikale Praktiken unserer Meinung nach die besten Optionen um jene Veränderungen herbei zu führen, da sie sich nicht an revisionistische oder reformistische Denk- und Handlungsstrukturen bindet.

Wir wollen auf Missstände in der kapitalistischen Gesellschaft aufmerksam machen. Um die Missstände zu verstehen, ist es wichtig den Kapitalismus als menschenverachtendes und auf den Profit einiger weniger gerichtetes System zu begreifen. Damit der Kapitalismus weiterhin funktionieren kann, d.h die als von Marx als „Proletariat“ definierte Arbeiterklasse weiterhin in den Mühlen der Lohnabhängigkeit verbleibt, muss der Kapitalismus mithilfe des bürgerlichen Staates Konkurrenzdenken und Leistungsprinzip als gesellschaftlichen Konsens vermitteln. Die Auswüchse dieser kapitalistischen Sozialisierung sind Sozialdarwinismus, Homophobie, Rassismus, Sexismus und Faschismus. Wer sich diesen gesellschaftlichen Normen nicht unterwirft, hat kaum die Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen. Eher werden solche Menschen psychatrisiert, weil sie scheinbar „nicht normal im Kopf sind“, um sie (oftmals mit Psychopharmaka) den gesellschaftlichen Normen anzupassen, bzw. sie zum funktionieren zu erziehen. Da all diese Dinge typische Züge eines zum Kapitalismus abhängigen Menschen darstellen, sprechen wir uns explizit gegen sie aus. Damit wir uns emanzipieren können müssen wir versuchen diese Charakterzüge und Handlungsformen zu reflektieren und sie nicht mehr zu praktizieren.

Jeden Tag werden obdachlose Menschen von den Marktpassagen und öffentlichen Plätzen vertrieben. Dies ist keine Lösung des Problems, es wird lediglich verschoben. Frei nach dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn.“ Dabei ist die Mietsteigerung und profitorientierte Stadtplanung schon Jahrzehnte lang ein Problem in fast jeder größeren Stadt. Dadurch werden Leute aus ihren Vierteln vertrieben und in die ihnen zugewiesenen Räume gesperrt. Szene und Popkultur wird dazu missbraucht Stadtteile aufzuwerten und jene, die unerwünscht sind, auszuschließen. „Problembezirke“ werden dann zum einzigen Ort, an dem Leute mit einem geringeren Einkommen noch wohnen können. Einkaufszentren und Szeneclubs nehmen den Platz ihrer früheren Wohnungen ein.

Für uns stellt der Kampf um Freiräume innerhalb der Städte einen nötigen und wichtigen Punkt im Kampf gegen das herrschende System dar. Der unterdrückte Alltag der Menschen in der BRD und überall muss durchbrochen und geändert werden. Es ist notwendig, dass die Prinzipien von freier Stadtnutzung und erschaffenen Freiräumen ins Augenmerk der Menschen rückt. Erst durch die Nutzung von Freiräumen ist nämlich möglich die oben genannten Auswüchse des Kapitalismus in sich selbst zu entdecken und sie abzulegen. Abseits davon gibt es einen existenziellen Anspruch von jeder/jedem nach den lebensnotwendigen Bedürfnissen, also Unterkunft, Versorgung und auch Spaß bzw. Glück.

Die wenigen hart erkämpften Freiräume, welche uns bleiben; alternative Kneipen und Kulturtreffs, mögen uns vereinzelt Momente des gemeinsamen Verschnaufens und Feiern bieten, aber dies ist nicht genug um unsere Städte nachhaltige zu verändern. Die Idee von einer anderen Stadt (in der nicht Eigentumsverhältnisse, Aussehen, sexuelle Orientierung und Herkunft über Teilhabe an der Gemeinschaft entscheiden) ist geknüpft an den Versuch unser Leben und unsere Beziehungen radikal zu ändern. Der Vereinzelung entkommen wir, indem wir uns zu Kollektiven zusammentun und immer mehr Orte für Gegenkultur und außerpalamentarischer linksradikale Politik erschließen.

Wir, als Menschen haben durch die Besetzung der Moselstraße 8 und die dadurch hervorgegangene Kampagne „Squat a lot“ aufgezeigt das es in Köln Menschen gibt die den aktiven Kampf um Stadt kämpfen wollen; unabhängig von den verschiedenen linken Strömungen und sonstigen politischen Differenzen innerhalb der Linken. Wir wollen mit dieser Kampagne aufzeigen das man über vermeintliche Grenzen und Differenzen zusammen handlungsfähig ist und in der politischen Aktion aus dem Alltagstrott ausbrechen kann. Wir wollen und werden auch uns nicht in irgend einen vermeintliche Ecke drängen lassen. Wir richten uns gegen Gentrifizierung und Kapitalistische Stadtplanung, unsere selbst gewählten Mittel dagegen sind die der direkten Aktion, das erkämpfen von Freiräumen und das verteidigen von bestehenden. Diesen Kampf können wir nur gemeinsam führen.
Für eine linksradikale Perspektive.

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Bald folgen hier Infos für die Kampagne squat-a-lot