Rèsumè 5.11.2011- Stadtaufwertung: Perspektiven des Häuserkampfes

-Diskussionsveranstaltung-

Rèsumè vom 05. November

(Eines vorweg; wir sind begeistert, dass viele Menschen aus unterschiedlichen politischen Spektren am 05.11. ihren Weg ins AZ gefunden haben und was für inspirierende Diskussionen und Gespräche sich entwickeln konnten.)

Zu Beginn wurde in einem von squat-a-lot vorbereiteten Vortrag, neben einer allgemeinen Definition von Aufwertungsphänomenen, vorallem die Rolle der „autonomen Gentrifizierer_innen“ und der sog. „kreativen Klasse“ unter die Lupe genommen.
Verschiedene Strategien der Gegenwehr wurden in Diskussionen und den Workshops beleuchtet. Ein_e Teilnehmer_in nahm hierbei Bezug auf das Gängeviertel in Hamburg, das sich durchaus als erste Invasor_innen-Welle* begreift und dessen Besetzer_innen ihren kulturellen Status als Bohéme** in Legalisierungsverhandlungen strategisch nutzen konnten. Die Städte wollen selbstverständlich vom kulturellen Kapital der alternativen Szene profitieren und es (sei es zur Imageverbesserung) inwertsetzen. Anhand dieses Beispiels entwickelte sich eine Diskussion, welche in die Workshopphase überging. Interessante Ansätze waren vorallem, ab welchem Punkt sich Kulturprojekte ausnutzen ließen und dass eine solidarische Politik der linken Projekte untereinander, als auch eine Zusammenarbeit mit Mieter_innen-Initiativen unabdingbar für eine wirksame Gegenwehr gegen Gentrifizierungsabläufe seien.

Hausbesetzungen stellen neben einem Einschnitt in Spekulationsprozess (und somit auch in die kapital. Verwertungslogik) auch einen Raum für politische Vernetzung dar.
Auch Strategien zur Abwertung des von Gentrifizierung betroffenen Viertels können von solchen Freiräumen aus entwickelt werden. Hierzu bemerkte ein_e Teilnehmer_in, dass solche Aktionen oft die Falschen (z.B. Anwohner_innen) treffen und schädigen würden. Jede direkte Aktion müsse im Vorfeld auf ihr Ziel und ihre Vermittelbarkeit geprüft werden.

Auch der letzte Workshop beschäftigte sich indirekt mit dieser Thematik. Die Frage nach vermittelbarer Militanz, dem nötigem Selbstschutz und sinnvollen direkten Aktionen beschäftigte uns in der letzten Diskussion und erhitzte die Gemüter. Ein militanter Gestus dürfe sich einer selbstreflektierenden Praxis nicht entziehen, sonst drohe bloßes BlackBlock-Mackergehabe („ junger, meist weißer, männlich sozialisierter Personen“, wie ein_e Teilnehmer_in ihre Erfahrungen beschrieb).

Ideen, weitere Veranstaltungen zu den großen Streitpunkten zu veranstalten, gibt es nun zu hauf; Gerne würden wir uns in Zukunft mit Fragen der vermittelbaren, direkten Aktion, aber auch mit grundlegender marxistischer Theorie, im Bezug auf existierende Klassengegensätze (diese stellten einige Diskussionsteilnehmer_innen in frage), beschäftigen. Gerade weil uns interessiert ob, und wenn ja, wo der Klassenantagonismus in Stadtaufwertungsprozessen sichtbar wird.

Erläuterungen:

*Sukzessions-Invasions-Zyklus : Alternative und künstlerische Milieus erschließen die Stadtviertel und fungieren als Pionier_innen der Stadtaufwertung. Die darauf folgende zweite Invasionswelle stellt dann eine einkommensstarke Bevölkerungsschicht da.

** Bohème : Substantiv, – ungebundenes, ungezwungenes Künstlerdasein; unkonventionelles Künstlermilieu.